Winter im Ariowitsch-Haus

Die Winterzeit ist die beste Zeit für Vorträge und gemeinsam verbrachte Gesellschaftsabende. Davon haben wir einiges im Programm. Wir wünschen eine gute Winterzeit und laden herzlich ein ins Ariowitsch-Haus!

Der Dezember beginnt mit einer Podiumsdiskussion über ein hochaktuelles Thema: Antisemitismus ist eine fortwährende Gesellschaftsstruktur, der es kontinuierlich entgegenzuwirken gilt. Der Historiker und Antisemitismusforscher Dr. Olaf Glöckner und der Beauftragte der sächsischen Staatsregierung für jüdisches Leben, Dr. Thomas Feist, diskutieren über „Neue Wege gegen den Judenhass“. Am Sonntag, den 1. Dezember, 15 Uhr, gehen sie insbesondere den Fragen nach, ob Judenfeindschaft in den vergangenen Jahren wieder zugenommen hat und wie die Gesellschaft, der Staat und jüdische Gemeinschafen darauf reagieren können.

Am Donnerstag, den 5. Dezember, 19 Uhr, lädt die Deutsch-Israelische Gesellschaft Interessierte zum gemeinsamen Jahresausklang der DIG Leipzig ein. Die Gesellschaft blickt auf ereignisreiche Monate zurück und reflektiert bei Wein und Häppchen über das vergangene Jahr.

Einen weiteren Jahresrückblick bietet die Kinderballettgruppe unter der Leitung von Irina Golubeva: Das Ballett Classique zeigt bei seiner Wintergala, was die Schüler in den letzten Monaten erlernt haben. Am Sonntag, den 8. Dezember,15 Uhr, sind alle herzlich eingeladen, den jungen Talenten auf der Bühne bei der Präsentation verschiedener Ausschnitte aus dem klassischen und neoklassischen Ballettrepertoire zuzusehen.

Auch die Jüdisch-Christliche Arbeitsgemeinschaft kommt zum Jahresabschluss noch einmal zusammen. Der Begegnungsabend am Donnerstag, den 12. Dezember, 18 Uhr, steht unter dem Motto der Märchen. Im Winter lässt es sich gemütlich machen, die Jahreszeit ist ideal zum Erzählen. An diesem Abend werden verschiedene Märchen gelesen, gemeinsam gesungen und sich im Gespräch über die Besonderheiten und Gemeinsamkeiten von Märchen aus verschiedenen Regionen ausgetauscht.

Ein besonderes Highlight stellt das Chanukka für Jedermann am Montag, den 16. Dezember, 19 Uhr, dar. Knapp eine Woche vor Beginn des achttägigen Festes treffen wir uns im Ariowitsch-Haus, um vom Gemeinderabbiner der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig von den Bräuchen des Chanukka-Festes zu erfahren. Für die Teilnahme am Abend inklusive kulinarischem Rahmenprogramm ist eine vorherige Anmeldung verpflichtend.

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Am Mittwoch, den 18. Dezember, 18 Uhr, findet eine Premiere im Ariowitsch-Haus statt: Ermis Theodorakis und das Ensemble El Perro Andaluz spielen Zeitgenössische Musik von Paul Heinz-Dittrich und Salvatore Sciarrino. Im Mittelpunkt steht die Uraufführung des Klavier-Kammerkonzerts „Whipsaw“ vom Pianisten Ermis Theodorakis. Das herausfordernde Stück für Klavier und fünf Instrumente wird zuerst Premiere feiern, anschließend steht der Komponist im Gespräch auch Fragen offen, wobei im Anschluss „Whipsaw“ ein zweites Mal erklingen wird. Dieses spannende Format, ein Stück zum ersten Mal und besonders intensiv – mit Gespräch und Wiederholung – erleben zu können, hat der junge Verein forma Leipzig organisiert, der sich in Leipzig für neue Musik und zeitgenössische Literatur engagiert.

Der Januar beginnt mit einem zweiten Themenabend zum Komponisten und Sänger Georg Kreisler. Der einzigartige schwarze Humor des jüdischen Wiener Musiker und Bühnenautor wird von dem Berliner Musikhistoriker Dr. Jürgen Schebera vorgestellt, der bereits vor zwei Jahren einen Vortrag zu Kreisler hielt. Der Vortrag am Donnerstag, den 16. Januar, 19 Uhr, dreht sich um die Chansons des selbsternannten „jüdischen Gesellen“.

Am Montag, den 20. Januar, 19 Uhr, zeigen wir die Vorpremiere des 3sat-Dokumentarfilmes „Schalom Genossen – Juden in der DDR“ im Ariowitsch-Haus. Seit den 50er Jahren wurden Juden in der DDR intensiv überwacht, ähnlich wie christliche Gemeinden. Ihnen wurden zionistische Aktivitäten unterstellt, während sie jüdische Gemeinden in Deutschland nach der Shoah wiederaufbauen wollten. Justin Sonder, Siegmund Rotstein und Renate Aris, die den Konzentrations- und Vernichtungslagern entgangen waren und überlebt hatten, entschlossen sich alle dafür, in der DDR zu bleiben, um sich für ein neues, demokratisches Deutschland stark zu machen. Die Geschichte der Überwachung gegen jüdische Gemeinden dokumentieren ZDF/3sat und ZDFinfo in Leipzig, wobei der Dokumentarfilm vor der öffentlichen Ausstrahlung im Ariowitsch-Haus als Vorpremiere gezeigt wird. Im Anschluss an den Film gibt es ein Gespräch mit dem Ehrenvorsitzenden der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, Rolf Isaacsohn, der Verantwortlichen Redakteurin der Dokumentation, Nina Rothermundt und dem leitenden Redakteur von 3sat, Wolfgang Aull.

In der gleichen Woche präsentieren Dr. Timotheus Arndt und Zsolt Balla bereits die fünfte Ausgabe ihrer Vortragsreihe „Basiswissen zum Judentum“. Der Dozent der Forschungsstelle Judentum an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig und der sächsische Landesrabbiner wenden sich an diesem Abend dem Themenkomplex Israel zu. Wie sind die Zusammenhänge zwischen Volk, Land, Staat und Glaube? Heute denken viele bei dem Namen Israel an einen Staat und bei Judentum an eine Religion, dies war jedoch einst umgekehrt. Die beiden Referenten spüren am Mittwoch, den 22. Januar, 18 Uhr, den verschiedenen Begriffsinterpretationen in der Geschichte nach.

Ein klingendes Zeichen für Toleranz setzt ein Ensemble aus mehreren Chören in der Thomaskirche zu Leipzig am Montag, den 27. Januar um 19 Uhr. Der Leipziger Synagogalchor, der Kammerchor Josquin des Préz, Tenor Falk Hoffmann und Organist Daniel Beilschmidt führen gemeinsam unter der Leitung von Ludwig Böhme Psalmen von Mendelssohn, Schütz, Monteverdi und anderen Komponisten auf. Psalmen sind das gemeinsame Fundament im Glauben von Juden und Christen – deshalb ist das Konzert in der Thomaskirche ein symbolischer Akt am Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus. Das einzigartige Ensemble zeigt im Konzert unsere gemeinsamen Wurzeln auf, fördert gegenseitiges Verständnis und verbindet – wir laden herzlich zu diesem besonderen Konzert ein.

Im Februar bietet das Ariowitsch-Haus auch Raum zum Musizieren für unsere Jüngsten: Die Kinder der rhythmisch musikalischen Früherziehung der Musikschule SingenTanzenTrommeln spielen das Märchen „Sterntaler“ der Gebrüder Grimm als Singspiel. Am Sonntag, den 2. Februar, 15 Uhr, zeigen die Jüngsten der Musikschule ihre Interpretation des bekannten Stückes, bei dem sie die einzelnen Rollen singen, nachsprechen und spielen. Dabei steht vor allem der Spaß am gemeinsamen Musizieren im Vordergrund.

Liebe, Menschenwürde und der Konflikt zwischen Staat und Kunst – um diese Themenfelder geht es im Dokumentarfilm OSCAR am Donnerstag, den 6. Februar, 18 Uhr. Die Geschichte des sowjetischen Künstlers Oscar Rabin ist ein Spiegel der Zeitgeschichte, die drei Jahrzehnte sowjetischer Geschichte aus seiner Sicht, aber immer mit dem Ausblick auf das große Ganze erzählt. Die Kollision zwischen Staat und unerwünschter, inoffizieller Kunst ließ ihn zum sowjetischen Flüchtling werden. Nach der Weltpremiere im September letzten Jahres, kurz vor dem Tod des Künstlers im Pariser Exil, wird der Film nun zum ersten Mal in Leipzig zu sehen sein.

Am Sonntag, den 9. Februar, 15 Uhr, nimmt der Chor der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig uns mit auf eine musikalische Reise durch die Zeit. Unter dem Motto „Von Herz zu Herz“ bereitet der Chor unter der Leitung von Julia Rosin einen stimmungsvollen Sonntagnachmittag.

Dmitrij Kapitelmann, der 1968 in Kiew geboren ist, schreibt im Roman Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters über sein Aufwachsen als Kontingentflüchtling in Leipzig in den Neunziger Jahren. Er lebt mit seiner Familie zu dieser Zeit in Leipzig-Grünau, wo sich bereits Neonazis austoben. Um die eigene Situation und besonders die seiner Eltern besser zu verstehen, reist er mit seinem Vater nach Israel, aber auch dort ist vieles nur schwer zu verstehen. Dmitrij Kapitelmann lässt den Leser schmunzelnd an diesem Verstehens-Prozess teilnehmen. Er studierte Politikwissenschaft und Soziologie in Leipzig und absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München. Am Dienstag, den 11. Februar um 19 Uhr wird der Roman mit einer Lesung mit Dr. Petra Cain und Heinz Bönig vorgestellt.

Die sechste Ausgabe der Vortragsreihe „Basiswissen zum Judentum“ schließt das Winterprogramm ab. Dr. Thimotheus Arndt und Landesrabbiner Zsolt Balla sprechen zur Frage „Was ist die Tora?“. Das Wort Tora hat im Laufe der Zeit unterschiedliche Übersetzungen gefunden: Gesetz, Weisung, Lehre. Tora findet sich in der Bibel, aber auch in einer weitverzweigten Literatur über die Bibel hinaus. Am Mittwoch, den 19. Februar, 18 Uhr, setzen wir uns mit den unterschiedlichen Varianten auseinander und lernen auch über die Begriffe Talmud und Mischna, Midrasch, Halacha und Haggada.

Mit diesem abwechslungsreichen Programm bleibt auch der Winter kurzweilig, spannend und unterhaltsam. Wir laden Sie dazu herzlich ins Ariowitsch-Haus ein.

Bloch im Bahnhof – ein emotionaler Rückblick – jetzt auf youtube

Ab jetzt ist es möglich, noch einmal auf das emotionale und bewegende Abschlusskonzert der #JüdischenWoche im Leipziger Hauptbahnhof zurückzublicken. 200 vor allem junge deutsche und israelische Musiker/innen brachten unter der Leitung von Ludwig Böhme eines der größten jüdischen chorsinfonischen Werke, das „Avodath Hakodesh“ (Sabbat Gottesdienst) von Ernest Bloch zur Aufführung.

Vielen Dank an Stephan Dietze von anders-drehen und alle Mitwirkenden und Unterstützer: Leipziger Synagogalchor, Jugendsinfonieorchester Leipzig, Männerstimmen des MDR Kinderchor, #MoranChoir#GewandhausJugendchor#LeipzigerVocalkollektiv, Chorpaten des #MDRRundfunkchores, Promenaden Hauptbahnhof.

Und hier geht´s zum Video: https://m.youtube.com/watch?v=olN7uxFbdA8

Am Abend des 9. Oktober finden wir ein Zeichen der Solidarität vor dem Ariowitschhaus. Wir sagen Danke für die Anteilnahme und emotionale Unterstützung.

Unsere Gedanken sind bei den Opfern des schrecklichen Ereignisses in Halle/Saale und deren Familien und Freunden.

Jüdische Woche 2019 – Impressionen

Trotz tropischer Temperaturen von bis zu 38 °C blicken wir auf eine sehr erfolgreiche Jüdische Woche zurück. Mehr als 10.000 Besucher nahmen an den über 100 verschiedenen Veranstaltungen teil. 

Hier finden Sie einige Impressionen der Jüdischen Woche im Ariowitsch-Haus.

Die nächste Jüdische Woche findet vom 26. Juni – 4. Juli 2021 statt.

Kultusminister Piwarz schloss gestern, den 8. Mai 2019, den Gestellungsvertrag mit dem Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden in Vertretung der Vorsitzenden Dr. Nora Goldenbogen und dem stellvertretenden Vorsitzenden Küf Kaufmann über die Gestellung von Lehrkräften im Dienst des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden oder seiner Mitgliedsgemeinden. Damit soll der Jüdische Religionsunterricht durch Mitarbeiter bzw. Lehrkräfte der Jüdischen Gemeinden sichergestellt werden.

Der Sächsische Staatsminister des Innern, Prof. Dr. Roland Wöller nach dem sachlichen und offenen Gespräch am 8. Mai 2019 mit Vertretern der jüdischen Gemeinschaft Sachsens: v.r.n.l. Landesrabbiner Zsolt Balla, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig und Präsidiumsmitglied des Zentralrat der Juden in Deutschland, Küf Kaufmann, Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen der jüdischen Gemeinden und Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Dresden, Dr. Nora Goldenbogen, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Chemnitz, Dr. Ruth Röcher.

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