Sommer im Ariowitsch-Haus

Der Sommer im Ariowitsch-Haus: Kunst, Musik und Film

Das Zentrum für jüdische Kultur präsentiert das Sommerprogramm 2019

Die jährlich stattfindende Jüdische Woche Ende Juni bildet einen Höhepunkt des bunten Sommerprogramms im Ariowitsch-Haus. Das vielfältige Veranstaltungsprogramm umfasst Ausstellungen, Vorträge, Konzerte, Gedenkveranstaltungen und Tanzabende. Alle sind herzlich eingeladen, zum wiederholten oder auch zum ersten Mal ins Ariowitsch-Haus zu kommen.

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Weiter geht es mit einer Dokumentarfilmvorführung mit anschließendem Zeitzeugengespräch am Dienstag, den 4. Juni, 18 Uhr. Der kanadische Regisseur Jason Oberlander hat die Geschichte seiner Großmutter Judy Rosenberg und ihrer jüdischen Familie in Nazi-Deutschland und die spätere Aufarbeitung eindrücklich verfilmt. Im Dokumentarfilm „Mischling“ kehrt Judy Rosenberg Jahrzehnte später in die Bundesrepublik zurück, um sich der Vergangenheit zu stellen. An die Filmvorführung (mit deutschen Untertiteln) anschließend wird es ein Gespräch mit der Protagonistin und dem Regisseur in englischer Sprache geben.

Vom 23. bis zum 30. Juni wird die alljährliche Jüdische Woche in Leipzig begangen, in deren Rahmen zahlreiche Veranstaltungen rund um jüdisches Leben stattfinden. Im Vorfeld dieser Woche läuten bereits zwei Ausstellungseröffnungen das Festwochenprogramm des Ariowitsch-Hauses ein.

Am Sonntag, den 16. Juni, 15 Uhr bildet eine Ausstellung, auf die lange hingearbeitet wurde, den Auftakt: Das Ariowitsch-Haus Leipzig bringt Ephraim Carlebachs Leben und Werk zurück ins stadtgeschichtliche Interesse. Aktualität bekommt er durch Rap-Workshops mit über 300 Jugendlichen, die sein Leben studierten und ihren eigenen Song schrieben. Zur Eröffnung sprechen der Vorsitzende der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, Küf Kaufmann, die Bürgermeisterin für Kultur der Stadt Leipzig, Dr. Skadi Jennicke sowie der Projektleiter Dr. Marco Helbig. Umrahmt wird die Ausstellungseröffnung mit Musik und Rap von Marco Helbig, Zsolt Balla, Hans Otto und Yochai Noah Sadeh. Die Ausstellung wird bis zum Ende des Jahres immer montags bis donnerstags zwischen 9 und 17 Uhr sowie sonntags zu Veranstaltungen geöffnet sein. Das Projekt zu Ephraim Carlebachs Biographie ist als Wanderausstellung konzipiert, um das Leben und Wirken von Leipzigs berühmtestem Rabbiner in die Welt zu tragen.

In der folgenden Woche kommen auch Kunstinteressierte bei einer zweiten Ausstellungseröffnung auf ihre Kosten. Am Donnerstag, den 20. Juni, 18 Uhr beginnt feierlich die Ausstellung „Michael Wilhelm – Resümee“. Der Leipziger Künstler Michael Wilhelm ist gut mit jüdischer Kultur vertraut und hat verschiedene Ausstellungen zu jüdischem Leben regional und überregional konzipiert. Sein Werk beinhaltet eine breite Palette von Malerei, Druck- und digitaler Grafik mit einem sensiblen Gespür für zeitnahe Zustände von Individuum und Umwelt. Gründe, dem Künstler in dieser schon zur Tradition gewordenen Ausstellung zur Jüdischen Woche im archiv massiv ein Podium zu bieten. Neben einer musikalischen Umrahmung mit Piano und Violine sprechen zur feierlichen Eröffnung Susanne Kucharski-Huniat, die Leiterin des Kulturamts der Stadt Leipzig, sowie Michael Touma. Ab der Eröffnung steht die Ausstellung von Michael Wilhelm Interessierten bis zum 6. Juli immer von Dienstag bis Samstag zwischen 10 und 18 Uhr offen.

Am Montag, den 24. Juni, 18 Uhr präsentiert sich die Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig in ihrer ganzen musikalischen Vielfalt. „Von Jiddisch bis Klassisch“ ist das Motto des Konzertabends, der ein breites musikalisches Spektrum verspricht. Die vielen musikalischen Talente spielen solo oder im Ensemble, mit Gesang oder instrumentale Stücke – für jeden wird an diesem Abend etwas dabei sein. Das bunte Programm eignet sich hervorragend, um jüdische Musik in all ihren Facetten und historischen Strömungen bis zur Gegenwart kennenzulernen.

Der Dienstag steht im Zeichen der Erinnerung: Am 25. Juni, 14 Uhr findet die Gedenkveranstaltung zur Stolpersteinverlegung vom 13. Mai 2019 zu Ehren von Helena und Isser Gutter statt. Mit der Gedenkveranstaltung wird an die Großeltern von Prof. Avishay Golz erinnert. Das Gedenken findet in englischer Sprache statt und wird vom Upper Galilee Choir aus Kfar Blum und der Klezmer-Band Rozhinkes musikalisch eingerahmt.

Jiddische Lieder als Urgestirn ihrer Gefühlswelt – das präsentiert die Berliner Sängerin und Schauspielerin Sharon Brauner ebenfalls am 25. Juni, um 20 Uhr im Ariowitsch-Haus. Was sie singt, mäandert zwischen slawischen Tänzen und orientalischen Klängen mit Anleihen aus Soul und Jazz. Sie bringt neben bekannten jiddischen Liedern wie „Glik“, Belz“ oder „Die grine Kuzine“ auch Welthits mit, die von jüdischen Komponisten geschrieben wurden. Ist das jiddische Folklore oder schon Weltmusik? Sharon Brauner erzählt und singt mit Witz und Klugheit vom Judentum und nimmt so Berührungsängste. Die Show verspricht, kurzweilig und charismatisch zu werden. Wir laden herzlich zu dieser bunten Revue ein.

Auch Dr. Andreas Hillmann und Roland Kötteritzsch vereinen auf besondere Art und Weise Musik mit Unterhaltung. Die beiden Freizeitmusiker sind in beruflicher Hinsicht in unterschiedlichen Gefilden unterwegs, finden aber in der Musik zusammen: Am Mittwoch, den 26. Juni, 18 Uhr bieten sie beim Tanzabend zum Mitsingen und Mittanzen Hits und Ebergreens, Jazz, Musical und auch Stücke aus der Latin-Dance-Music der vergangenen Jahrzehnte. „A jiddischer Tants“ ist das Motto, unter dem unter Anderem zu Songs von den Comedian Harmonists, von George Gershwin oder Frank Sinatra das Tanzbein geschwungen werden darf. Vom melancholischen Tango bis zum fröhlichen Walzer ist für jeden Gusto etwas dabei.

Für den 27. Juni, 17 Uhr macht das Ariowitsch-Haus auf eine besondere Ausstellung und Buch-Präsentation aufmerksam: Es werden die Werke und die Biografie des israelischen Malers Amos Yaskil vorgestellt. Der Titel „Farbenrausch“ ist dabei Programm: Sein künstlerisches Schaffen hat die Entwicklung des Staates Israel von Anfang an begleitet. Gleichzeitig ist er auch durch die Biographie seiner Eltern geprägt, die Deutschland 1933 in Richtung Palästina verlassen mussten. Amos‘ Mutter war gebürtige Leipzigerin, während sein Vater, ein polnischer Jude, ebenfalls als Maler die intellektuelle Kunstszene Leipzigs in den Zwanzigerjahren prägte. Dr. Michael Schubert, Biograf des Künstlers, und Prof. Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen, der Leiter der Kustodie der Universität Leipzig, sprechen an diesem Abend zu Amos Yaskil und seiner Familiengeschichte, die besonders durch die beiden Künstlerbiographien des Vaters und des Sohnes und deren speziellen gesellschaftlichen Umstände von besonderer Spannung ist. Der Gegensatz zwischen dem Künstlerleben seines Vaters im Leipzig der Weimarer Republik und Amos‘ eigener künstlerischer Entwicklung im jungen Israel machen das Buch von Dr. Michael Schubert, das zur Ausstellung präsentiert wird, zu einem lebendigen Zeugnis dieser Zeit des Umbruchs.
Die Ausstellung ist bis zum 30. September immer montags bis donnerstags von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr sowie sonntags zu Veranstaltungen geöffnet.

Am Donnerstag, den 27. Juni, 18 Uhr geht es auf der Bühne im Saal weiter mit dem Tanzprogramm „Berührungen“. Sechzig Kinder und Jugendliche des Fachbereiches Tanz der Musikschule „Johann Sebastian Bach“ präsentieren ihr Programm. In den verschiedenen Stücken werden Themen wie Toleranz, der Umgang mit Fremden, Ungerechtigkeiten, Unterschiede und schließlich auch Annäherungen künstlerisch im Tanz aufgearbeitet. Das Tanzprogramm unter der Leitung von Evelyn Iwanow verspricht berührende Momente jenseits von Worten.

Mit einem besonderen chorsinfonischen Konzert geht die Jüdische Woche 2019 in Leipzig zu Ende: Israelis und Deutsche, Jugendliche und Erwachsene, Laien und Profis finden sich im Leipziger Hauptbahnhof, jenem Knotenpunkt für Begegnungen zum gemeinsamen Musizieren jüdischer Musik zusammen. Das Motto des festlichen Abschlusskonzerts am Sonntag, den 30. Juni, 17 Uhr, lautet „Bloch im Bahnhof“. Der Komponist Ernest Bloch (1880-1959) schrieb „Avodath Hakodesh“ (Sabbat-Gottesdienst) für Kantor, Rabbiner, Chor und großes Orchester. Das epochale Werk ist selten zu hören und wird bei dieser Aufführung durch ein besonderes Ensemble unter der Mitwirkung des Leipziger Synagogalchors, des Moran Choir aus Israel, des GewandhausJugendchors, des Landesjugendchors Thüringen, des Leipziger Vokalkollektivs, der Männerstimmen des MDR-Kinderchores, der Chorpaten des MDR-Rundfunkchores, des Jugendsinfonieorchesters Leipzig, vom Bassbariton und Kantor Assaf Levitin, von Landesrabbiner Zsolt Balla als Sprecher unter der Gesamtleitung von Ludwig Böhme aufgeführt. Diese beeindruckende Bandbreite der Mitwirkenden wird in der Osthalle des Hauptbahnhofs zu bestaunen sein. Das Ariowitsch-Haus Leipzig lädt gemeinsam mit dem Leipziger Synagogalchor e. V., der Stadt Leipzig und dem Kulturamt herzlich zum feierlichen Abschluss der Jüdischen Woche ein!

Im August startet eine neue Vortragsreihe namens „Basiswissen zum Judentum“. Am Mittwoch, den 28. August, 18 Uhr stellen Dr. Timotheus Arndt und Rabbiner Zsolt Balla den Sabbat vor. „Mehr als Israel den Sabbat gehalten hat, hat der Sabbat Israel erhalten“, schrieb Ascher Ginsberg im Jahre 1898. Der wöchentliche Feiertag überflügelt fast alle jüdischen Jahresfeste an Bedeutung. Im Vortrag werden folgende Fragen geklärt: Wann beginnt der Sabbat? Wie begehen jüdische Familien diesen Tag? Was soll ein Mensch an diesem Tage tun und was soll er lassen? Der Referent Dr. Thimotheus Arndt forscht an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig zum Judentum, während Zsolt Balla in seiner Aufgabe als sächsischer Landesrabbiner die Wichtigkeit des Sabbats auch aus der Praxis beschreibt.
Dem Auftakt der Veranstaltungsreihe folgen weitere Termine, die gerne schon im Kalender vermerkt werden dürfen: Am 18. September wird es um Jüdische Feste und Feiertage gehen, am 23. Oktober über Jüdisches Leben aus einer allgemeineren Perspektive und am 27. November um das Rabbinat. Weitere Termine folgen im kommenden Jahr.

Die Ephraim Carlebach Stiftung zeigt ab 23. Juni die Ausstellung Zsolt Balla Landesrabbiner in Sachsen. Der gebürtige Ungar wirkt bereits seit zehn Jahren in der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Balla wurde in Budapest, Jerusalem, New York, London und Berlin ausgebildet. Er gehört dem Präsidium der Orthodoxen Rabbinerkonferenzen, ist in der Jüdischen Welt gut vernetzt und genießt hohes Ansehen in internationalen Rabbiner-Kreisen. Silvia Hauptmann dokumentiert ein Stück seines Weges mit der Kamera. Zu den Aufgaben des Landesrabbiners zählt die Koordinierung der religiösen Zusammenarbeit der drei jüdischen Gemeinden in Sachsen. Zsolt Balla ist in Sachsen und darüber hinaus ein wichtiger Botschafter des Judentums im interreligiösen Dialog. Damit birgt der Fotoessay von Silvia Hauptmann eine eindringliche Aktualität und zeigt die Wichtigkeit und die Schwierigkeiten der Arbeit des Landesrabbiners auf. Die Ausstellung, die von der Ephraim Carlebach Stiftung veranstaltet wird, ist vom 23. Juni bis zum 31. Oktober im Ausstellungsraum des Ariowitsch-Haus für Besucher geöffnet.

Der Ariowitsch-Haus e.V. und alle Mitwirkenden laden herzlich zu dem breit gefächerten Veranstaltungsprogramm ein. Wir freuen uns auf die Gelegenheiten, ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu knüpfen, sowie gemeinsame Stunden bei Musik, Tanz, Kunst und Vorträgen zu verbringen.

Jüdische Woche in Leipzig vom 23. Juni – 30. Juni 2019

L’dor v’dor Von Generation zu Generation

L’dor v’dor ist eine hebräische Redewendung und bezieht sich auf die Verantwortung, Wissen und kulturelle Traditionen von Generation zu Generation weiterzugeben, um die Sitten, das Erbe und das kollektive Gedächtnis des jüdischen Volkes zu erhalten. Dafür gibt es viele Möglichkeiten: Geschichten erzählen, Rezepte austauschen, Fotos teilen und einfach Zeit miteinander verbringen. Die Jüdische Woche 2019 wird mit mehr als 100 Veranstaltungen viele intensive Begegnungen ermöglichen, in denen vor allem das Miteinander im Mittelpunkt steht und die BesucherInnen in jüdisches Leben, in Alltag und Festtag, in Religion und Kunst auf verschiedenste Weise eintauchen konnten.

Das Programmheft erhalten Sie ab Anfang Juni an allen teilnehmenden Veranstaltungsorten, in den Bürgerämtern der Stadt Leipzig, in der Tourist-Information Leipzig und in den CULTURTRAEGER-Ständern im Stadtgebiet. Einen Blick ins Programmheft können Sie aber auch schon jetzt werfen.

Kultusminister Piwarz schloss gestern, den 8. Mai 2019, den Gestellungsvertrag mit dem Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden in Vertretung der Vorsitzenden Dr. Nora Goldenbogen und dem stellvertretenden Vorsitzenden Küf Kaufmann über die Gestellung von Lehrkräften im Dienst des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden oder seiner Mitgliedsgemeinden. Damit soll der Jüdische Religionsunterricht durch Mitarbeiter bzw. Lehrkräfte der Jüdischen Gemeinden sichergestellt werden.

Der Sächsische Staatsminister des Innern, Prof. Dr. Roland Wöller nach dem sachlichen und offenen Gespräch am 8. Mai 2019 mit Vertretern der jüdischen Gemeinschaft Sachsens: v.r.n.l. Landesrabbiner Zsolt Balla, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig und Präsidiumsmitglied des Zentralrat der Juden in Deutschland, Küf Kaufmann, Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen der jüdischen Gemeinden und Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Dresden, Dr. Nora Goldenbogen, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Chemnitz, Dr. Ruth Röcher.

Die Ausstellung BRUCH | STÜCKE. Die Novemberpogrome in Sachsen 1938 wandert ab 18. Mai 2019 ins Stadtmuseum Schkeuditz.

Die Ausstellung BRUCH | STÜCKE. Die Novemberpogrome in Sachsen 1938, die vom 7. Oktober 2018 bis 31. Dezember 2018 im Ariowitsch-Haus in Leipzig gezeigt wurde, ist vom 18. Mai bis 6. Juli im Stadtmuseum Schkeuditz zu sehen und wird dort um eine weitere Ausstellungstafel zu den Geschehnissen in Schkeuditz erweitert.

Weitere Informationen zum Projekt und zur Ausstellung finden Sie auf www.bruchstuecke1938.de

Jüdische Woche 2017 – ein Rückblick

Eröffnung der Jüdischen Woche am 18. Juni 2017

Am Sonntag, den 18. Juni, 15 Uhr, fand die feierliche Eröffnung in der Gemeindesynagoge, Keilstraße 4, statt. Im Anschluss daran waren die Gäste zu einem kleinen Empfang mit historischem Antlitz geladen. Wir danken dem Schauspiel Leipzig für die wunderbare Unterstützung des historischen Empfangs.

Das gesamte Programm der Jüdischen Woche steht Ihnen hier zum Herunterladen als Programmheft mit dem dazu gehörigen Stadtplan (Innenseite) und Stadtplan (Außenseite) zur Verfügung.

Informationen zur Jüdischen Woche finden Sie unter www.leipzig.de/juedische-woche oder auf Facebook.

Jüdische Woche im Ariowitsch-Haus 

Zwischen dem 14. Juni und dem 25. Juni fanden 13 Veranstaltungen im Zentrum Jüdischer Kultur statt – 4 Ausstellungseröffnungen, 3 Konzerte sowie Vorträge, Tanztheater, Begegnungsabende und musikalisch-literarische Abende. Bei wunderschönem Sommerwetter und guter Stimmung blicken wir auf eine erfolgreiche jüdische Woche zurück.

Die nächste Jüdische Woche findet vom 23. Juni bis 30. Juni 2019 statt.

Unsere nächsten Veranstaltungen